Domaine Pechigo
Avenue des Pyrénées
11300 Lauraguel
Das Winzerleben ist schön
„ Jahrelang habe ich geglaubt, dass das Leben eines Winzers sehr schön sein muss. Im Herbst trifft er sich mit seinen Freunden im Weinberg, sie singen, sie diskutieren, sie lachen und sie amüsieren sich, das ist die Weinernte. Im Winter wird Wein gemacht, das ist auch nicht weiter schwierig, denn die Hefe macht die ganze Arbeit. Gleichzeitig trifft er Freunde, Kunden und Weinliebhaber, die alle von seinem Wein probieren wollen. Im Frühling spaziert er durch seinen Weinberg um zu schauen ob nicht ein Pflock ausgetauscht oder ein gerissener Draht geflickt werden muss. Im Sommer dann überwacht er, wann seine Trauben reif für die Ernte sind, und so geht es immer weiter. “
„Später habe ich begriffen dass das Leben eines Winzers nicht ganz so romantisch ist, im Gegenteil es ist sehr hart und manchmal sogar gefährlich. “ So gibt die Tageszeitung Figaro am 14. Oktober 2007 einem Artikel den Titel „Der Weinbau in Südfrankreich ist von gewalttätigen Extremisten bedroht“, ich zitiere: „Es haben nicht alle dieses Durchhaltevermögen. Im Département Aude haben seit Beginn der Weinkrise einige Winzer die vor dem Ruin standen Selbstmord begangen. Andere dagegen schrecken nicht mehr davor zurück das Gewehr aus dem Schrank zu holen um ihrer Erschöpfung gegenüber penetranten Gläubigern und unbelehrbaren Händlern deutlich zu machen. “
Sie sind nicht allein, so sagt Gérard Schivardi, Bürgermeister von Mailhac in der Tageszeitung Libération vom 31. März 2007 von seinen Winzern: „ in meiner Gemeinde gab es bereits 2 Selbstmorde. “
Der Freitod ist sicher eine Ausnahme, allerdings ist die Existenzangst ständiger Begleiter. So auch bei Sylvain Saux, Winzer der Domaine Pechigo in Lauraguel. Bei ihm drückt der Schuh vor allem beim zu geringen Ertrag.
Die Ernte ist spärlich
Seine Ernte im Jahr 2007 betrug ungefähr 13 Hektoliter pro Hektar, das sind 1733 Flaschen. Ist das wirklich wenig? Ja, das ist sehr wenig, wenn wir es z.B. mit den Ernten in der Charente vergleichen. Die aktuellen Zahlen können wir auf der Website www.charente.pref.gouv.fr. nachlesen. Ende Januar 2008 war der durchschnittliche Ertrag 137 Hektoliter pro Hektar. Eine andere Zahl: 2004 wurden insgesamt 9,9 Millionen Hektoliter geerntet.

Domaine Pechigo : Sylvain Saux
Kurz gesagt: 10 mal mehr als bei Sylvain. D.h. die Ausbeute von einem Hektar in der Charente entspricht der Ausbeute von 10 Hektar bei Sylvain. Ihr seid damit nicht einverstanden. Hier sind die letzten Zahlen der INAO (Institut National de l’Origine et de la qualité) über die französische Weinernte im Jahr 2005: bei einer Gesamtproduktion von 53.314.150 Hektolitern auf einer Fläche von 7.77.180 Hektar ergibt sich ein durchschnittlicher Ertrag von 68 Hektolitern pro Hektar. Sylvain möchte keine 137 Hektoliter pro Hektar ernten, nicht einmal 68, aber er möchte sehr gerne seinen Ertrag steigern, 13 Hektoliter pro Hektar reichen nicht zum Überleben. Er erklärt uns: „Das Ziel eines Winzers kann es sein einen biodynamischen Wein zu erzeugen und davon zu leben. Bei mir war das anders. Mein Ziel war nur, einen biodynamischen Wein zu erzeugen und dann erst habe ich bemerkt, dass irgend etwas fehlt. Und ich habe als weiteres Ziel hinzugefügt: und damit möchte ich auch ein bisschen Geld verdienen um Überleben zu können. In den seltensten Fällen kommt das Geld von alleine, wenn man den Gelderwerb nicht auch als ein Ziel im Kopf hat. Wenn ich so gedacht hätte wäre mir schon früher aufgefallen, dass ein Überleben mit so niedrigen Erträgen nicht möglich ist. Ich hätte schon früher gehandelt. “ Also was tut er? Er legt einen Hektar Weinberg still, der praktisch nichts abwirft und dann verwendet er Dünger. „Dieses Jahr habe ich 15 Tonnen Dünger gekauft und diesen werde ich verkompostieren. Das ergibt ca. 10 Tonnen Kompost den ich auf 2 bis 3 Hektar Weinberg ausbringen werde - und das wird den Ertrag steigern. “
Die Sulfite
Sylvain liebt wirklich nicht den Schwefel und die Sulfite. Er verwendet geschwefelte Fässer. Das Fassinnere wird desinfiziert indem darin eine schwefelhaltige Lunte abgebrannt wird. Das könnte Spuren von Sulfit im Wein hinterlassen. Wenn er den Eindruck hat der Wein könnte etwas Sulfit vertragen, dann fügt er bis zu 20 Milligramm pro Liter hinzu. Das ist wenig im Vergleich mit dem gesetzlich erlaubten Grenzwert (zwischen 160 und 400 mg pro Liter). Er macht viele Experimente damit der Wein sehr schnell fermentiert, denn hier hat er ein Problem mit seinem Wein „La Mothe“ .
La Mothe
Vor einigen Wochen hat mir Jean-Louis von einem Weiβwein erzählt, „ La Mothe“ . Ich zitiere ihn : „Dieser 2005er ist ausgewogen, hat Struktur, ist rund und der Geschmack hält sich im Mund. Komm doch rüber und probier ihn. Er kommt von einem Bio-Winzer in Malras. Seine Mitarbeiterin Delphine singt im gleichen Chor wie ich und sie hat mir ein paar Flaschen davon mitgebracht.“ Und wer ist der Winzer? Er hat seinen Weinkeller in Malras aber er lebt in Lauraguel. Ja, es ist tatsächlich unser Winzer, Sylvain Saux. Ja, und gerade spricht er auch von seinem Spitzenwein, er sagt, dass der 2006er noch nicht ausgereift ist aber er würde gerne unser Urteil hören und holt eine Flasche - La Mothe. Wir kosten ihn und Jean-Louis gibt sein Urteil: „der 2006er ist zu jung, zu grün und die Säure ist noch im Vordergrund.“ Später dann, nach einer Chorprobe sagt er, dass nach Delphine der 2005er dieselben Eigenschaften hatte wie jetzt der 2006er und er ist erst nach ca. 8 Monaten ausgereift. Wird der 2006er genau so reifen? Wir hoffen es stark, denn es gibt keine einzige Flasche mehr vom 2005er.

Domaine Pechigo : La Mothe
Aber in jedem Fall ist Sylvain mit dem La Mothe mit einem Problem konfrontiert: „es braucht sehr viel Zeit bis der Wein sich verbessert und die Säure in den Hintergrund tritt. Wenn wir nicht abwarten verkauft er sich schlecht und wenn wir zu lange warten dann bekommen wir Geldprobleme. Der La Mothe , das ist 80% unserer Produktion.“ Wenn der Wein erst einmal fertig ist hat er mit dem Absatz kein Problem, sein Kundennetz kauft alles.
Der Verkauf
„ Die Mehrzahl der Käufer sind Kellereien, einige Groβhändler und ein kleines bisschen verkauft sich über Restaurants und den Export. Manchmal kommt auch jemand bei uns vorbei, aber das bauen wir nicht weiter aus, so gibt es auch kein Hinweisschild und wir sind mehr oder weniger unauffindbar. Warum? Heute ist es hier aufgeräumt, aber vor kurzer Zeit noch war es das totale Chaos. Um Kunden zu empfangen brauchst du einen Ort der schön ist und immer verfügbar. Aber manchmal verläuft sich trotzdem zufällig jemand hierher, der Wein kaufen möchte. Neulich kam ich gerade her um eine Hacke zu holen, da habe ich einen Typen angetroffen der erzählt hat er komme aus Perpignan und kaufe dort immer unseren Wein. Jetzt gibt es keinen mehr und deshalb ist er hergekommen um welchen zu kaufen.“

Domaine Pechigo : Sylvain Saux mit Hund
Warum Bio ?
„ Landwirtschaft ist ganz einfach ein groβer Haufen Beschiss. Das ist schade, sogar die Typen von der Landwirtschaftskammer wissen, dass es zuviel ökologische Schäden gibt, aber sie wissen nichts über neuere Entwicklungen in der Landwirtschaft, von der Bodenkunde beispielsweise. Sie denken immer noch in dem Muster von klassischen Bodenanalysen, und das bringt überhaupt nichts. Das ist Substitutionstheorie: eine Ernte wiegen und auszurechnen, es gibt soviel Stickstoff darin, soviel Phosphat und soviel Pottasche und das muss dann dem Boden künstlich wieder zugeführt werden. Das geht vielleicht so mit Tomatenzucht in Nährlösungen aber nicht mit einer lebendigen Erde. Die Erde, das ist Alchimie. Wir haben jetzt bereits eine so hohe Bodensterblichkeit, dass der Boden sich verhält wie ein lebloses
Substrat, wie bei den bodenfreien Tomaten. Wenn man aber Böden hat, die kein lebloses Substrat sind, dann geht das ganz anders, und die Bodenkundler bestätigen genau das mit ihren neueren Analysen.
Wenn man also über ein Minimum an wissenschaftlichem Verständnis verfügt müsste man sage, wir sind im Irrtum. Aber nein, man tut immer noch so als wären die wissenschaftlichen Analysen von vor 100 und 200 Jahren auch heute noch gültig. Wenn man sich das alles einmal bewusst gemacht hat dann ist es Folgerichtig auf den biologischen Anbau umzustellen. Und noch besser: auf die Biodynamie. Biodynamie, das ist für mich die am besten begründete und schlüssigste Theorie. Sie kann die Phänomene erklären, auf die wir gestoβen sind.“
Sein Parcours
„An der Universität habe ich ein Examen in Mathematik gemacht. Danach habe ich mich für die Landwirtschaft interessiert und habe ein BPREA (Brevet Professionnel de Résponsable d’exploition Agricole) gemacht, das ist eine Ausbildung die mir einen kleinen Einblick gegeben hat in das, was sich heute in der Landwirtschaft so abspielt und sie gibt mir das Recht auf Zuschüsse. Aber es ist eine Ausbildung voll mit Blödsinn und Widersprüchen. Ganz interessant waren gerade noch Betriebsführung und Recht. Auch Landwirtschaftskunde war ganz interessant unter dem Gesichtspunkt, dass ich die konventionelle Landwirtschaft kennen gelernt habe und jetzt besser Bescheid weiβ, was meine Nachbarn machen. Ausserdem war mein Vater Winzer und während der Ausbildung habe ich mit ihm zusammen konventionell Wein angebaut. “
Der Staat bevorzugt den Biowinzer
Der Staat bevorzugt den Biowinzer? Ja, das glaube ich auch. Sylvain erzählt, dass er vom Staat eine sehr gute Unterstützung erhielt.
„ Jedes Jahr bekomme ich eine Prämie für den biologischen Anbau. Das sind immer 2.000 € und ich glaube ab nächstes Jahr sogar 4.000 €. Alle Landwirte die biologisch anbauen haben ein Recht auf diese Prämie, das ist eine Pauschalprämie, gleich für alle, egal ob Groβ- oder Kleinbetrieb. Für mich ist das super. Auβerdem braucht man nicht einen Haufen Formulare dafür ausfüllen.
Anders ist das bei der Umstellungsprämie, das war viel komplizierter. Das war ein regelrechter Papierkrieg. Wenn man auf biologischen Anbau umstellt bekommt man drei Jahre lang eine Prämie und das lohnt sich wirklich. Ich glaube ich habe damals drei Jahre lang 18.000 Francs pro Hektar bekommen. Das entspricht etwa 12.000 € im Jahr für meine Weinberge insgesamt, und das drei Jahre lang, das war wirklich eine gute Unterstützung. “
Widersprüche
Es ist schon spät und wir müssen aufbrechen. Ich stelle eine letzte Frage: Hat Sylvain während seiner Ausbildung etwas über biologischen Anbau gelernt? „ Nein. Es ging nur um chemische Unkraut- und Schädlingsvernichtung und um synthetische Düngemittel. “
Es Wäre wirklich besser wenn man schon in der Ausbildung mit Bio anfängt, das wäre effizienter.
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